Vorträge 2026

Dr. Oliver Kolbe beleuchtet im Vortrag Sehen am Bildschirm: Herausforderungen und Lösungen am Bildschirmarbeitsplatz die physiologischen Grundlagen des Sehens am Bildschirm. Im Mittelpunkt stehen das Computer Vision Syndrom (CVS) bzw. der Digital Eye Strain (DES), von denen rund 70% aller Bildschirmarbeiter betroffen sind, sowie die Dry Eye Disease (DED), deren Prävalenz bei Bildschirmnutzern mit durchschnittlich 49,5% deutlich über der Normalbevölkerung liegt. Es werden evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsverhalten ein Überblick über die Optionen der Presbyopiekorrektion vorgestellt.

Biografie

Nach seiner Berufsausbildung zum Augenoptiker hat Dr. Oliver Kolbe erst Optometrie, dann Laser- und Optotechnologie studiert. Als Wissenschaftler arbeitete er mehrere Jahre bei JenVis Research sowie an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Dort promovierte er in Kooperation mit der Technischen Universität Ilmenau im Jahr 2025. Seine internationalen Publikationen zum Thema Sehen am Bildschirm sind vielfach zitiert. Seit 2018 leitet er die Optometrie-Abteilung der einzigen deutschen Klink für ophthalmologische Rehabilitation in Masserberg. Mit seinem Team versorgt die Klinik stationär jedes Jahr ca. 1500 Menschen, die sehbeeinträchtigt sind und berufliche oder soziale Teilhabeeinschränkungen erleiden. Darüber hinaus ist Dr. Oliver Kolbe Lehrbeauftragter der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, dem JenAll e.V., der Philipps Universität Marburg, der SANA Medical School Coburg, freiberuflicher Referent der Landesärztekammer Hessen, der Rodenstock Akademie und der Oculus Akademie sowie als Berater für ophthalmotechnologische Firmen tätig.

Dr. Oliver Kolbe

Saskia Ibelings berichtet in ihrem Vortrag zur Entwicklung eines neuen deutschen Sprachtests unter Verwendung synthetischer Sprache. Der Oldenburger Phrasentest (OLPHRA) wurde entwickelt, um Nachteile etablierter Tests wie Trainingseffekte oder die Verwendung veralteter Wörter zu reduzieren. Im Vergleich zu etablierten Tests zeigte der OLPHRA ein vergleichbares Sprachverstehen für Personen mit und ohne Hörbeeinträchtigung und Hörgerätenutzer. Zudem zeichnet sich der Test durch eine hohe Test-Retest-Reliabilität, reduzierte Lerneffekte und Übertragbarkeit auf andere Sprachen aus.

Biografie

Dr. Saskia Ibelings studierte „Hörtechnik und Audiologie“ an der Jade Hochschule Oldenburg (B. Eng) und der Universität Oldenburg (M. Sc). Während der Promotion entwickelte sie den synthetischen, phrasenbasierten Sprachtest OLPHRA. Seither arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Hörtechnik und Audiologie der Jade Hochschule in Oldenburg.

Saskia Ibelings
Martin Kündig hinterleuchtet in seinem Vortrag, ob bei Kontaktlinsenträger automatisch immer die Kontaktlinse an einem schlechten Visus der Auslöser ist. Ist die Kontaktlinse bei reduziertem Visus immer die Hauptverdächtige? Martin Kündig präsentiert interaktive Fallbesprechungen aus dem Universitätsspital Basel, die von der Kontaktlinse bis zur Pathologie reichen. Das Besondere: Sie sind die Jury! Stimmen Sie per Smartphone live über die wahrscheinlichsten Ursachen ab. Der praxisnahe Austausch geht über augenoptische Entscheidungswege und den kritischen Blick über den vorderen Augenabschnitt hinaus.

Biografie

Martin Kündig, MSc Optometry, ist klinischer Optometrist am Universitätsspital Basel (USB), wo er eine eigene Sprechstunde führt. Nach seinem Studium an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und der Hochschule Aalen sowie einem Forschungsaufenthalt am Vision Performance Institute (VPI) der Pacific University in Forest Grove (USA) führte er 15 Jahre lang erfolgreich einen traditionellen Optikbetrieb eh er in die Klinik wechselte.

Diese Kombination aus langjähriger Erfahrung in der klassischen Augenoptik und klinischer Tätigkeit am USB erlaubt ihm einen sehr praxisnahen Blick auf optometrische Entscheidungsprozesse. Zudem engagiert er sich im Vorstand der Organisation für Schweizer Optometrie (OSO) berufspolitisch sowie in der Programmgestaltung der OSO-Fachtagung und von OPT-X.ch für die praxisorientierte Weiterbildung der Branche.

Martin Künding

Ing. Björn Oehne berichtet über im Vortrag zu Revoloud – Lautheit neu gedacht. Mit Lautheitskarten zur präzisen Hörgeräteanpassung über die individuelle Lautheitswahrnehmung als zentraler Faktor in der Hörgeräteanpassung. Klassische Anpassverfahren basieren auf audiometrischen Daten, liefern jedoch nur Verstärkungswerte. Die individuelle Lautheitswahrnehmung wird bei dem First-Fit nicht berücksichtigt. Hier setzt die Messmethode revoloud an. Der Vortrag zeigt anhand von Praxisfällen, wie revoloud die Anpassarbeit systematisch verbessert. Optimierungen der Verstärkung können gezielt in bestimmten Frequenz- und Pegelbereichen durchgeführt werden.

Ing. Björn Oehne

Gleitsichtgläser gehören bei einer Presbyopieversorgung in Österreich zum Goldstandard. Mit einem selbstkritischen Vortrag beleuchtet Andreas Tsiounis sein eigenes Handeln und die der Branche. Aber keine Angst, Andreas Tsiounis wird Ihnen keine neuen Produkte, aber vielleicht neue oder bisher zu wenig genutzte Versorgungsmöglichkeiten, vorstellen. Kannst Du mehr als nur Gleitsicht? – nach diesem Vortrag hoffentlich: JA!

Biografie

Andreas Tsiounis, MSc ist einer der ersten klinisch tätigen Optometristen der Schweiz und praktiziert in zwei Optometrie-Praxen. Er ist Gründer und Produktentwickler der Beratungsplattform visionscience.ch, Gründungsmitglied des Umbria Club (Optometry) und hält regelmäßig Fachvorträge in der Schweiz, Deutschland und Griechenland.

Andreas Tsiounis
Im Universitätsklinikums Erlangen wurden 635 Hörgerätekontrollen retrospektiv ausgewertet, die neben der Ton- und Sprachaudiometrie auch das Sprachverstehen im Freifeld sowie Daten aus in-situ Messungen beinhalten. Da sich die Frequenzauflösung mit zunehmendem Hörverlust verschlechtert, stellt die Hörgeräteversorgung insbesondere bei hochgradigem Hörverlust eine besondere Herausforderung dar. Max Engler, MSc berichtet in seinem Vortrag über die Wirksamkeit der Hörgeräteversorgung in Abhängigkeit vom Hörverlust.

Biografie

Max Engler, MSc studierte 2014 nach seiner abgeschlossenen Ausbildung zum Hörakustiker, Hörakustik BSc, an der Technischen Hochschule Lübeck und anschließend Hörakustik und audiologische Technik M.Sc. an der Universität zu Lübeck. Anschließend war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Audiologe im CI-Zentrum CICERO des Universitätsklinikums in Erlangen tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Hörgeräte- und CI-Versorgung.

Langtext zum Vortrag

Hörgeräte gelten heutzutage als gängigste Maßnahme zur Verbesserung des Sprachverstehens bei peripherer Schwerhörigkeit, jedoch variieren die erzielten Ergebnisse erheblich. Trotz stetiger technischer Fortschritte hat sich das versorgte Sprachverstehen in Ruhe in den letzten Jahrzehnten nicht verbessert. In unserer HNO-Klinik wurden 635 Hörgerätekontrollen retrospektiv ausgewertet, die neben der Ton- und Sprachaudiometrie auch das Sprachverstehen im Freifeld sowie Daten aus in-situ Messungen beinhalten. Da sich die Frequenzauflösung mit zunehmendem Hörverlust verschlechtert, stellt die Hörgeräteversorgung insbesondere bei hochgradigem Hörverlust eine besondere Herausforderung dar. Häufig handelt es sich um einen Kompromiss zwischen ausreichender Verstärkung und einem angenehmen Klang, ohne dabei die individuelle Schmerzschwelle zu überschreiten. Im Mittel wurden nur ca. 60 % des maximalen Einsilberverstehens erreicht. Präskriptive Anpassformeln wie NAL-NL2 und DSL v5.0 waren in einer hauseigenen Studie den tatsächlichen Trageeinstellungen überlegen. Diese sollten aber stets mittels in-situ Messung verifiziert werden. In einer anderen Arbeit aus unserem Haus zeigte sich, dass mit steigendem Hörverlust die Anpassformel DSL v5.0, verglichen mit NAL-NL2, zunehmend zu besseren Ergebnissen führte. Zusätzlich waren besonders Fittings, welche mehr als 5 dB unter beiden präskriptiven Anpassformeln lagen, signifikant unterlegen und bei hochgradigem Hörverlust auch häufiger vertreten. Ab einem bestimmten Schweregrad schränkt Hörverlust die Wirksamkeit von Hörgeräten deutlich ein, kann jedoch durch ausreichende Verstärkung teilweise kompensiert werden. Bei Hörverlusten von 50–80 dB HL zeigte sich der größte Einfluss der Verstärkung auf das mit Hörgerät erreichbare Sprachverstehen, was die Bedeutung der Anpassstrategie unterstreicht. Bei Hörverlusten über 80 dB HL waren die Ergebnisse hingegen meist unzureichend, sodass alternative Hörsysteme wie Cochlea-Implantate in Betracht gezogen werden sollten. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass In-situ-Messungen, Sprachaudiometrie im Freifeld sowie eine umfassende tonaudiometrische und sprachaudiometrische Diagnostik essenziell für Anpassung und Verifikation von Hörgeräten sind.

Max Engler